Krankheit bekämpfen – nicht das Fieber

600 Patienten kamen zum Marcumar-Anwendertreffen in die Kirchberg-Klinik

Von Karl Heinz Bleß

Obwohl Herzklappen-Patienten bei Fieber besonders vorsichtig sein müssen, sollte bei einer Behandlung nicht in erster Linie das Fieber gesenkt, sondern seine Ursache beseitigt werden. Darauf hat Chefarzt Dr. Ernst Knoglinger während des 13. Patiententreffen der Kirchberg-Klinik (22.9.2007) hingewiesen. 600 ehemalige Patienten waren gekommen, um sich fortzubilden. Es sind vor allem Menschen mit einer künstlichen Herzklappe, die lebenslang das Medikament Marcumar einnehmen müssen, um die Gerinnung ihres Blutes herabzusetzen. Ohne Blutverdünnung droht sich eine Thrombose an der Herzklappe zu entwickeln.

Dr. Ernst KnoglingerEs sind meistens Bakterien oder Viren im Körper, die Fieber auslösen. Der Körper erhöht die Temperatur, um die Stoffwechselaktivität der körpereigenen Abwehr und gleichzeitig die Empfindlichkeit der Erreger zu erhöhen. Sobald die Störung beseitigt ist, steuert das Gehirn die Körpertemperatur wieder auf 37 Grad Celsius.

Herzklappenpatienten fürchten besonders die Endokarditis, die durch Infektionserreger verursachte Herzklappenentzündung. Nur Bakterien oder Pilze können sie auslösen, nicht aber Viren, machte der Chefarzt in seinem Vortrag deutlich. Und Bakterien kann man mit Antibiotika wirksam behandeln. Viren, die etwa eine Erkältung, eine Grippe oder ein Drüsenfieber auslösen, bekämpfen körpereigene Abwehrstoffe, die man bei der Behandlung lediglich unterstützen sollte. Es sei sehr sinnvoll, so der Chefarzt, sich gegen die häufigsten Vireninfektionen impfen zu lassen.

Während die Behandlung von bakteriellen Entzündungen mit Antibiotika bei den meisten Erkrankungen wenige Tage dauert, erstreckt sich die Behandlung bei der Herzklappenentzündung über vier bis sechs Wochen, erinnerte Knoglinger die Patienten, die dieses bereits bei einer Schulung in der Reha gehört hatten. Setzt man die Medikamente zu früh ab, könne es einen gefährlichen Rückfall geben.

Chefarzt Dr. Knoglinger ging auch auf Resistenzmechanismen ein. Bakterien sind sehr anpassungsfähig und reagieren auf für sie gefährliche Antibiotika. Sind sie erst einmal resistent, muss man das Antibiotikum wechseln. Auf dieses Spezialgebiet ging anschließend Gastredner Professor Dr. Dr. Wilfried Bautsch aus Braunschweig ein. Oberärztin Dr. Barbara Bialucha-Nebel erläuterte die Auswirkungen von Fieber auf die Marcumar-Therapie.
 

Bericht über Vorträge von Professor Bautsch und Oberärztin Bialucha-Nebel

Vor Veranstaltungsbeginn


zurück zum Themenverzeichnis

zurück zum Stichwortverzeichnis