|
Blutdruck
und Cholesterin bei Senioren senken?
Ist es sinnvoll, erhöhten
Blutdruck und zu hohes Cholesterin auch bei Senioren zu behandeln?
Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass dieses wichtiger ist als
bisher angenommen.
Früher nahm man es mit der
Behandlung von Bluthochdruck oder hohem Cholesterin bei Älteren
nicht so genau. „100 + Lebensalter darf der systolische Blutdruck sein“
ist so eine alte Weisheit, die längst nicht mehr gültig ist.
Denn seit
man wirksame Medikamente zur Blutdrucksenkung entwickelt hat, muss kein
70-jähriger mehr mit einem Blutdruck von 170 umherlaufen.
Heute
weiß man genau: Was für
die Jüngeren gut ist, das ist auch für Ältere gesund.
In einer Ärzte-Fortbildung in der Kirchberg-Klinik am 14.
September haben zwei ausgewiesene Experten neueste Forschungsergebnisse
zur Behandlung von Bluthochdruck und Cholesterin bei älteren
Menschen dem Fachpublikum dargelegt. Professor Dr. Peter Baumgart, Facharzt
für Innere Medizin, Kardiologie, Nephrologie und Diabetologie aus
dem Clemens-Hospital Münster und Dr.
Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Professorin an der Charité
in Berlin und Leitende Ärztin des Evangelischen Geriatriezentrums
in der Hauptstadt, die wir zu zwei Vorträgen eingeladen hatten,
waren sich vollkommen einig: Auch ältere Menschen müssen
konsequent behandelt werden, um eine Chance auf ein langes Leben
mit möglichst hoher Lebensqualität zu haben. Denn gerade
ältere Menschen sind anfälliger für Krankheiten wie
Herzinfarkt und Schlaganfall: je höher das Alter, desto höher
das Risiko.
Durch eine wirksame Behandlung von
Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterin lässt sich das erhöhte Risiko deutlich senken,
sodass der Nutzen der Behandlung sogar größer ist als bei
Jüngeren. Natürlich haben ältere Menschen auch ein
höheres Risiko für Nebenwirkungen, wenn sie Medikamente
einnehmen, aber das zehrt den Nutzen bei Weitem nicht auf. Unter dem
Strich bleibt eine klare Botschaft und da sind sich alle Experten
einig: Risikopatienten müssen in jedem Alter optimal behandelt
werden.
In Deutschland hält man sich mit
dieser Empfehlung noch zurück – auch wegen der Kosten, die
für stärkere Fettsenker notwendig wären. Wenn es um die
Gesundheit geht, sollte die Kostenfrage aber nicht im Vordergrund
stehen. Außerdem werden auf der anderen Seite wieder Kosten
eingespart, wenn man einen zweiten Infarkt verhindern kann. Bei hohem
Risiko schließen wir uns in der Kirchberg-Klinik deshalb bereits
jetzt den amerikanischen Empfehlungen an und behandeln, wenn es
nötig ist, bis zu einem Zielwert von 70 mg/dl. Damit ist dann aber
wahrscheinlich der maximale Effekt erreicht, den man mit der
LDL-Cholesterin-Senkung erzielen kann. In der Entwicklung sind
Medikamente, die das schützende HDL-Cholesterin steigern. Bis die
zur Verfügung stehen, werden aber noch einige Jahre
Forschungsarbeiten zu leisten sein.
Wir werden Sie rechtzeitig
informieren bevor diese Medikamente auf den Markt kommen.
Cholesterin –
je niedriger desto besser?
Cholesterin ist ein lebensnotwendiger Stoff, auch das als
schädlich bekannte LDL-Cholesterin. Schädlich wird es erst,
wenn zuviel davon im Blut ist. Die meisten Tiere haben LDL-Spiegel von
weniger als 50 mg/dl und das ist auch der Wert, mit dem wir Menschen
auf die Welt kommen.
Erst im Laufe des Lebens steigen unsere Cholesterinwerte an und werden
so zum Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall im mittleren oder
höheren Lebensalter.
Wer schon einmal eine koronare Herzkrankheit hatte, soll das
LDL-Cholesterin unter 100 mg/dl senken (s. Kasten unten). Das gelingt
heute in den meisten Fällen, wenn gesunde Ernährung und
cholesterinsenkende Medikamente kombiniert werden.
Aber hat es auch einen Sinn, das Cholesterin noch weiter zu senken?
Dieser Frage sind amerikanische Wissenschaftler nachgegangen. Sie
fanden heraus, dass durch noch stärkeres Absenken des Cholesterins
die Gefahr für einen neuerlichen Herzinfarkt weiter vermindert
werden kann. Von Vorteil ist das vor allem für Patienten mit ganz
besonders hohem Risiko. Dazu zählen zum Beispiel Diabetiker, die
bereits einen Herzinfarkt hatten. Für solche und ähnliche
Risikogruppen wird in Amerika schon empfohlen, das LDL bis auf 70 mg/dl
abzusenken.
Wie hoch darf das Cholesterin sein?
Gemessen werden sollte immer das
LDL-Cholesterin (low-density-lipoprotein-Cholesterin)
Zielwerte:
- wenn bereits eine koronare Herzkrankheit besteht (mit oder ohne
Infarkt, Katheterdehnung, Bypass-Operation)
- bei Menschen mit Risikofaktoren, die bisher herzgesund
sind
- für gesunde Menschen ohne Risiko für eine
Herzkreislauferkrankung
Alle Werte in mg/dl
< bedeutet: weniger als / unter |
< 100
< 130
< 160
|
|
|

|
|