Nach der Herzklappenoperation:
Vorsicht vor Endokarditis

Endokarditis heisst soviel wie Herzklappenentzündung. Sie kann durch Bakterien verursacht werden, die über das Blut auf die Herzklappe gelangen und sich dort absiedeln und vermehren. Durch die Entzündung kann die Herzklappe rasch zerstört werden und es kann zu einer lebensgefährlichen Infektion des gesamten Körpers mit hohem Fieber kommen, die wir „Sepsis“ (zu Deutsch: Blutvergiftung) nennen.

Eine gesunde Klappe bietet für Bakterien kaum Angriffsfläche und wird daher fast nie von einer Entzündung befallen. Anders ist es nach einer Herzklappenoperation: nach einem Klappenersatz, gleich ob durch eine mechanische oder biologische Klappenprothese, besteht lebenslang eine erhöhte Gefahr für die Endokarditis. Um diese Gefahr zu bannen, sind Vorsorge-Maßnahmen notwendig, die wir „Endokarditis-Prophylaxe“ nennen.


Neue künstliche HerzklappeEndokarditis-Prophylaxe bedeutet die vorsorgliche Einnahme von Antibiotika immer dann, wenn Bakterien in die Blutbahn gelangen können. Das ist vor allem bei ärztlichen oder zahnärztlichen Eingriffen der Fall, wenn Blut und bakterien- haltiges Material (z.B. Eiter) vermengt werden. Vor solchen Eingriffen muss die Antibiotika-Einnahme etwa eine Stunde vor Beginn des Eingriffs erfolgen, damit das Medikament genügend Zeit hat, ins Blut aufgenommen zu werden. Bakterien, die erst nach dem Antibiotikum ins Blut gelangen, werden dann von dem Medikament abgetötet, noch bevor sie sich auf der Herzklappe absiedeln können.

entzündete HerzklappeDamit die Endokarditis-Prophylaxe nicht vergessen wird, erhalten alle Klappenoperierten von uns einen Herzklappen-Ausweis, der auf die Endokarditis-Gefahr hinweist. Legen Sie diesen Ausweis Ihrem Arzt oder Zahnarzt vor, bevor ein Eingriff gemacht wird.  Im Ausweis findet er Hinweise, welches Antibiotikum Sie nehmen sollen, in welcher Stärke und bei welchen Eingriffen. Wir haben für Sie die neusten Empfehlungen zusammengestellt, wie sie 2007 von den internationalen und deutschen Fachgesellschaften herausgegeben wurden. Früher galten andere, teilweise deutlich strengere Empfehlungen, manchmal wurde auch eine zweite Antibiotika-Einnahme nach dem Eingriff empfohlen. Das hält man heute nicht mehr für notwendig.

  
Aktuelle Empfehlungen zur Endokarditis-Prophylaxe

  
Wer braucht eine
Endokarditis-Prophylaxe?

Alle Patienten lebenslang
  • nach mechanischem Herzklappenersatz
  • nach biologischem Herzklappenersatz
Nur im ersten halben Jahr nach der Operation
  • nach Herzklappenrekonstruktion (Reparatur ohne Klappenprothese)
Nur bestimmte Patienten
  • mit schweren angeborenen Herzfehlern

Vor welchen Eingriffen brauchen Betroffene die
Endokarditis-Prophylaxe?
  • Zahnsteinentfernung
  • Parodontose-Behandlung
  • Wurzelbehandlung
  • Alle Eingriffe, bei denen die Mundschleimhaut aufgeschnitten wird (z.B. Kieferchirurgie)
  • Mandeloperation (Rachen- oder Gaumenmandel)
  • Eingriffe im Bereich infizierter Haut (z.B. an Abszessen, Furunkeln)
  • Bei endoskopischen Untersuchungen (z.B. Magenspiegelung, Darmspiegelung, Bronchienspiegelung, Blasenspiegelung) nur, wenn im untersuchten Organ eine Infektion durch Bakterien vorliegt
Wie wird die Endokarditis-Prophylaxe nach den neuen Empfehlungen durchgeführt?

1.    vor Eingriffen beim Zahnarzt
  •  30-60 Minuten vor dem Eingriff 2 Tbl. Amoxizillin 1000
  •  bei Penicillinallergie ersatzweise 2 Kps. Clindamycin 300

2.    vor anderen ärztlichen Eingriffen
  • können je nach Ort und Umstand des Eingriffes andere Antibiotika verwendet werden


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