
Zum
Patiententreffen waren eine ganze Reihe von Fragen bei uns eingegangen,
die wir seinerzeit nicht alle beantworten konnten. Beim Treffen selbst
hatten wir diejenigen ausgesucht, die mit den Themen der Vorträge
in Beziehung standen. Die restlichen Fragen beantwortet Chefarzt Dr. Ernst
Knoglinger, soweit es sich nicht um sehr persönliche Angelegenheiten
handelt.
Was leistet die Kernspintomographie bei der Untersuchung der Kranzgefäße?
Die Kernspintomographie kann
ebenso wie die Elektronenstrahltomographie ganz brauchbare Bilder der größeren
Äste der Kranzgefäße und von Bypass-Venen liefern. Vorteil
der Methode ist, dass kein Katheter erforderlich ist (siehe dazu auch „Einblicke
in das Herz ohne Katheter“ in Herz-Club-Magazin I/2000). Nachteil ist,
dass nicht alle Gefäßregionen (vor allem nicht die kleineren
Seitenäste) beurteilt werden können und dass keine Behandlung
(beispielsweise Aufdehnung) mit diesen Methoden möglich ist. Für
eine Behandlung muss man also in jedem Fall noch eine Herzkatheteruntersuchung
zusätzlich durchführen. Weil dadurch insgesamt höhere Kosten
entstehen, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für
die Untersuchung in der Regel nicht.
Zu viel Fett im Blut ist bekanntlich schädlich. Was bewirkt zu viel Eiweiß?
Zu viel Eiweiß im Blut
tritt nicht durch falsche Ernährung oder Lebensweise, sondern nur
im Rahmen von ganz bestimmten Erkrankungen auf. Wenn diese Erkrankungen
zu sehr hohen Eiweißkonzentrationen im Blut führen, können
sie die Niere oder auch andere innere Organe schädigen. Erkrankungen
der Herzkranzgefäße werden dadurch nicht verursacht.
Wie wirkt sich eine Schlafapnoe auf Herzinfarktpatienten aus?
Als Schlafapnoe-Syndrom bezeichnet
man längere Atempausen während des Schlafes, die vorwiegend
bei Schnarchern und Übergewichtigen auftreten. Durch solche Atempausen
sinkt vorübergehend die Sauerstoffkonzentration im Blut ab. Dadurch
können bei Herzkranken Herzrhythmusstörungen ausgelöst werden.
Sie sind also durch das Schlafapnoe-Syndrom mehr gefährdet als Gesunde.
Außerdem kann das Schlafapnoe-Syndrom Ursache von Bluthochdruck sein
und somit das Risiko für eine Herzkranzgefäßerkrankung
erhöhen. Ob ein Schlafapnoe-Syndrom vorliegt, lässt sich relativ
einfach mit der Schlafapnoe-Diagnostik, wie wir sie in der Kirchberg-Klinik
durchführen, feststellen. Liegt ein Schlafapnoe-Syndrom vor, so muss
man sich entscheiden, ob die relativ aufwändige Behandlung mit nächtlicher
Atemunterstützung durch ein Gerät („CPAP-Gerät“) notwendig
ist. Vor Beginn einer solchen Behandlung ist dann noch eine weitere Abklärung
in einem speziellen „Schlaflabor“ nötig.
Welche Rolle spielt der altersbedingte Diabetes?
Einen reinen altersbedingten
Diabetes (= Zuckerkrankheit) gibt es eigentlich nicht. Der Ausdruck
„Altersdiabetes“ wird häufig verharmlosend für einen milden
Diabetes vom so genannten Typ II gebraucht, der eben häufiger im höheren
Alter auftritt. Durch diese Art von Diabetes wird das Risiko, einen Herzinfarkt
zu bekommen, etwa verdoppelt. Durch eine gute Zuckereinstellung lässt
sich dieses Risiko vermindern. Noch stärker als auf das Herzinfarktrisiko
wirkt sich eine gute Zuckereinstellung auf die anderen Folgeerkrankungen
des Diabetes wie Augenschäden, Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen
an den Beinen aus. Bei einer guten Diabeteseinstellung sollte der Blutzucker
vor den Mahlzeiten nicht über 120, nach den Mahlzeiten nicht über
160 sein und der Wert für das Blutzucker-Langzeitgedächtnis,
der HbA1C, unter 6,5 Prozent liegen.
Wie kann man eine künstliche Herzklappe „pflegen“?
Sicher ist die Frage etwas
scherzhaft gemeint, denn Wartungsarbeiten müssen an der Klappe natürlich
nicht vorgenommen werden. Im Normalfall werden kardiologische Kontrolluntersuchungen
ein Mal im Jahr, in der Anfangszeit auch häufiger, empfohlen. Absolutes
Muss bei einer mechanischen Prothese ist die richtige INR-Einstellung,
damit sich keine Gerinnsel auf der Klappe bilden. Ebenso notwendig ist
bei allen Klappenprothesen (auch den biologischen) die Endokarditisprophylaxe
mit Antibiotika, wenn Bakterien an die Klappe gelangen können (siehe
auch Zahnarzt-Bericht). Man kann erwarten, dass
eine biologische Klappe mindestens 12 Jahre hält, eine mechanische
Klappe ein ganzes Leben lang.
Wie kann man mit Rhythmusstörungen, Vorhofflimmern, Thrombosen und Lungenembolie leben?
Allen diesen Krankheiten
ist gemein, dass eine Gerinnungshemmung durchgeführt werden muss (im
Volksmund als „Blutverdünnung“ bezeichnet). Meistens wird Marcumar
zur Gerinnungshemmung verordnet. Dieses Medikament wirkt nicht immer gleichmäßig,
sodass die Wirkung regelmäßig durch Blutuntersuchungen kontrolliert
und die Dosierung angepasst werden müssen. Man kann die Messung selbst
zu Hause mit einem entsprechenden Gerät durchführen und dann
auch selbst die Tabletten-Dosis, die man braucht, bestimmen. Wie das geht,
kann man in der Kirchberg-Klinik lernen und unter Aufsicht üben.
Das lohnt sich aber nur, wenn die Gerinnungshemmung für längere
Zeit notwendig ist. Ob bei einem Patienten Marcumar nur vorübergehend
oder aber auf Dauer nötig ist, muss jeweils am Einzelfall entschieden
werden.