
Von Dr. Karsten Gericke
Wegen beeindruckender therapeutischer Fortschritte stand der Herzinfarkt und dessen Behandlung in den vergangenen Jahren vermehrt im Zentrum der medizinischen und öffentlichen Aufmerksamkeit. So lautete auch das letztjährige Motto der Deutschen Herzstiftung „Schach dem Herzinfarkt". Auch wenn der Herzinfarkt mit etwa 82 000 Todesfällen pro Jahr weiterhin zu den Haupttodesursachen in Deutschland gehört, gelingt es oftmals durch rasche Diagnose und Behandlung auf der Intensivstation mit Einsatz moderner Therapieverfahren wie Lyse oder Herzkatheter, den Tod durch Herzinfarkt zu vermeiden.
Doch
wer den akuten Herzinfarkt auch ohne wesentliche Komplikationen überlebt,
bei dem kann der entstandene Herzmuskelschaden zu einer bleibenden
Herzschwäche führen, der so genannten Herzinsuffizienz. Dass
die Herzinsuffizienz als Todesursache in Deutschland mindestens ebenso
bedeutsam ist wie der akute Herzinfarkt, zeigen Statistiken, die hierfür
in Deutschland etwa 95.000 Todesfälle pro Jahr aufweisen. Darüber
hinaus ist die Herzinsuffizienz aber von wesentlicher Bedeutung für
die allgemeine Leistungsfähigkeit und damit für die Lebensqualität
und den beruflichen Werdegang der Betroffenen, sofern sie noch berufstätig
sind.
Im Einzelfall kann die Ausprägung
der Herzinsuffizienz sehr unterschiedlich sein. Man unterscheidet vier
Schweregrade.
Um den Stoffwechsel aufrechtzuerhalten,
muss jedes Organ ausreichend mit Blut versorgt werden. Darum muss das Herz
seine Leistung stets den wechselnden Erfordernissen des Körpers anpassen
können. Während des Schlafens reicht ein Minimum von etwa vier
Litern pro Minute aus. Bei schwerer Belastung steigert sich die Leistung
bis zum Zehnfachen. Bei geringer Ausprägung der Herzinsuffizienz kann
sich die Pumpleistung des Herzens nur bei starker Belastung schlecht anpassen.
Bei schwerer Ausprägung kann bereits die Anpassung an geringere Belastungen
nicht mehr bewältigt werden.
Die
Anpassung der Herzleistung an die Belastung erfolgt über mehrere Mechanismen.
Einer dieser Mechanismen ist die erhöhte Pulsschlagfolge, ein weiterer
die Erhöhung der pro Herzschlag ausgeworfenen Blutmenge. Normalerweise
werden lediglich 60 Prozent des Herzinhaltes pro Herzschlag ausgeworfen.
Durch Erhöhung der Herzmuskelanspannung kann das gesunde Herz das
Schlagvolumen erhöhen, indem es das Restvolumen nutzt. Das insuffiziente
Herz, bei dem in Extremfällen weniger als 20 Prozent des Herzinhaltes
pro Herzschlag ausgeworfen werden, ist zu dieser Anpassung nicht mehr in
der Lage. Ungünstig wirkt sich in diesem Zusammenhang eine bei
der Herzinsuffizienz oft vorhandene Vergrößerung der linken
Herzkammer aus.
Neben der Anspannung der Herzmuskulatur kann auch dessen Entspannung gestört sein. Dies wirkt sich ungünstig auf die Füllung der linken Herzkammer aus, die ja jedem Herzschlag vorausgehen muss. Eine schlecht gefüllte Herzkammer kann pro Herzschlag auch nur wenig Blut weiterbefördern.
Ein weiterer, sehr wichtiger Anpassungsfaktor an körperliche Belastung hat weniger mit dem Herzen selber, sondern mehr mit den arteriellen Blutgefäßen des Körpers zu tun, die die Fähigkeit besitzen, ihre Weite zu verändern. Wird viel Blut in einem Organ gebraucht, wie zum Beispiel in der Muskulatur beim Sport, weiten sich dessen Blutgefäße. Das vermindert den Widerstand, gegen den das Herz anpumpen muss. Das Herz wird hierdurch entlastet und kann bei gleicher Arbeit mehr Blut durch das entsprechende Organ befördern. Dieser Mechanismus erklärt unter anderem die in den letzten Jahren gewonnene, und früheren Annahmen widersprechende, erstaunliche Erkenntnis, dass gut dosierter Ausdauersport einen günstigen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit bei der Herzinsuffizienz haben kann.
In der Regel sind die Blutgefäße des Körpers bei der Herzinsuffizienz jedoch eher enggestellt. Dies führt zu einer zusätzlichen ungünstigen Belastung des Herzens. Hervorgerufen wird diese allgemeine Gefäßverengung durch Hormone, die bei der Herzinsuffizienz vom Körper im Überschuss ausgeschüttet werden, um das schwache Herz anzutreiben. Die Kenntnis über die Bedeutung dieser Mechanismen hat in den vergangenen Jahren bereits zur Entwicklung neuer medikamentöser Therapien geführt, die den Folgen dieses Hormonüberschusses entgegenwirken. Sie können somit das Überleben, aber insbesondere auch die Lebensqualität bei Herzinsuffizienz verbessern.
siehe auch: Luftnot deutet auf ein schwaches Herz hin