Die Entwicklung der Herztherapie

Von Oberärztin Dr. Barbara Bialucha-Nebel

Die medikamentösen Möglichkeiten entwickelten sich erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wirklich weiter. Die heute als „die 4 Großen“ (Biggies) bezeichneten Medikamente  ASS, ß-Blocker, cholesterinsenkende Statine und ACE-Hemmer wurden im Wesentlichen zwischen 1950 und 1985 in die Therapie eingeführt.

FingerhutFingerhut hellDigitalis war schon im alten Ägypten zur Linderung von Fieber und Schmerzen verwendet worden. Als herzstärkendes Kraut wurde es systematisch seit 1775 zunächst aus dem Roten Fingerhut, später aus dem besser steuerbaren Wolligen Fingerhut gewonnen und verwendet. Es wurde zur Herzstärkung und Normalisierung schneller Herzrhythmusstörungen angewendet.

Zur Linderung der erheblichen Schmerzen bei Angina pectoris oder einem akuten Herzinfarkt stand ab 1853 erstmals injizierbares Morphium zur Verfügung. Goethe, der im März 1832 an den Folgen eines Herzinfarktes starb, konnten seine schlimmen, reißenden Brustbeschwerden weder durch das angewendete Baldrian, noch durch Pflaster mit Meerrettich und Spanischer Fliege gelindert werden.

Fast jeder Herzpatient ist irgendwann einmal mit Nitrospray oder  Nitrokapseln gegen akute Herzschmerzen in Berührung gekommen, eine Therapiemöglichkeit, die 1867 erstmals beschrieben wurde.

Über die Entstehung von Gefäßverengungen, die letztlich zu Herzinfarkten führen,  begannen wissenschaftliche Untersuchungen erst ab 1938. So hatte der amerikanische Präsident Franklin Delano Roosevelt einen schweren Bluthochdruck mit Werten bis 280 mmHG; eine dringliche Notwendigkeit zur Behandlung sah man in den 40er Jahren nicht. Nach Roosevelts Tod an einem Schlaganfall 1945 erwachte das Interesse an den Zusammenhängen, und es wurde die systematische Gesundheitsforschung einer ganzen Stadt namens Framingham begonnen. Die Ereignisse der jährlichen Untersuchungen dort (“Framingham-Studie”)  zeigten ab 1967, dass Bluthochdruck, erhöhte Blutfette, Zuckerkrankheit, Rauchen und Bewegungsmangel die entscheidenden krankmachenden Faktoren sind. Erst ab diesem Zeitpunkt wurde von Risikofaktoren gesprochen und ganz allmählich deren Behandlung eingeführt, um Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern.

Viele Behandlungsmöglichkeiten wurden auch in der Bewegungstherapie nach dem Herzereignis eröffnet. Bis in die 60er Jahre durften Infarktpatienten kaum den kleinen Finger rühren; sechs Wochen strenge Bettruhe waren Standard. Dabei erhielten die Patienten Beruhigungsmittel, damit sie das strenge Ruheregime befolgen konnten. Ab 1967 begannen erste vorsichtige Bewegungsübungen in der Frühphase nach dem Infarkt, und es entstanden die ersten ambulanten Herzgruppen.

ZeitachseNoch 1982 wurde eine Wiederaufnahme der Arbeit frühestens sechs Monate nach dem Infarkt geraten. Heute kann man nach unkompliziertem Verlauf nach sechs Wochen wieder arbeiten.

Im Jahr 1950 starb etwa jeder zweite Herzinfarkpatient. Seither haben sich sowohl die Akutbehandlung mit Rettungskette, neuen Medikamenten,  Herzkathetertechniken, Lysetherapie und letztlich der Bypassoperation ab 1967 als auch die Therapiemöglichkeiten von Komplikationen erheblich verbessert.

Das Sterberisiko beim Herzinfarkt ist leider nicht beseitigt. Es ist aber mittlerweile von 50 Prozent auf 10 Prozent der Betroffenen gesunken.


Leider waren Pflanzenauszüge als Tee oder Tinktur oft sehr bitter, sodass man schon 100 v. Chr. zerriebene Pflanzenpulver unter verfestigten Honig mischte und sozusagen als „Lutschstangen“ (Latwerge) den Erkrankten verabreichte. Die ersten Pillen wurden im arabischen Raum etwa ab 100 n. Christus „gedreht“. Da auch das den Geschmack nicht ausreichend kaschierte, wurden ab dem 11. Jahrhundert diese Pillen mit einem Gold- oder Silberfilm überzogen. Kapseln aus Oblaten wurden seit dem 18. Jahrhundert verwendet, die heute üblichen Gelatinekapseln gibt es seit 1934.

Seit 1853 wurden Spritzen entwickelt, die zunächst aus Glas, Silber und Kautschuk entwickelt wurden. Glasampullen, wie wir sie heute kennen, kamen ab 1866 auf den Markt.



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