Krafttraining als Vorbeugung und als Therapie

Ärztefortbildung in der Kirchberg-Klinik

Von Karl Heinz Bleß

Im Alter nimmt die Kraft ab, Muskeln werden schwächer, die Belastungen für das Knochengerüst und die Gelenke werden größer. Das hat zur Folge, dass die Aktivitäten im Alltag eingeschränkt sind. Ältere Menschen werden unsicher beim Laufen, stürzen leichter und verletzen sich schneller schwer dabei.

Professor MayerDiesem Phänomen kann man mit Krafttraining – gerade und auch für Senioren – begegnen. Das erläuterte Professor Dr. Frank Mayer von der Universitätsklinik Freiburg im April 2005 in der Kirchberg-Klinik interessierten Ärzten im Rahmen einer Fortbildung. Durch gezieltes Training können die Muskeln so gestärkt werden, dass sich ältere Menschen wieder sicherer bewegen können, ihre Skelettmuskeln und Gelenke entlasten und damit weniger anfällig für Krankheiten sind. Auf Dauer kann damit auch erreicht werden, dass das Körperfett abgebaut wird.

Krafttraining ist nicht gleichzusetzen mit dem Heben von Gewichten. Hanteln und Gewichte sollten nur mit geschultem Personal eingesetzt werden, warnte der Referent. Um die Muskelkraft zu stärken, sprach er sich vor allem für „sensormotorisch orientiertes Training“ ein, das auf Reize von außen reagiert. So werden Muskeln schon gut trainiert, wenn man sich eine Weile auf ein Bein stellt und versucht, das Gleichgewicht zu halten. Als Steigerung empfahl er eine weiche Unterlage oder unebenen Boden, wobei man stärker als auf festem Grund das Gleichgewicht ausbalancieren muss. Auch das Balancieren auf einem Wackelbrett führt als Reflexaktivität zur besseren Gelenkkontrolle.

Bei einer anderen Übung drückt man auf dem Rücken liegend mit dem Fuß gegen einen Widerstand, etwa ein Brett oder gegen eine Wand. Dadurch werden die Bein- und Rumpfmuskeln trainiert, was auf Dauer hilft, Schwierigkeiten beim Treppensteigen zu überwinden. Denn beim Treppensteigen muss man das eigene Körpergewicht mit eiem Bein stemmen.

Professor MayerMayer wies aufgrund von wissenschaftlichen Untersuchungen darauf hin, dass eine bessere Muskulatur schmerzhafte Gelenkerkrankungen verlangsamt, weil die Muskeln die Gelenke besser stützen. Dabei gehe es nicht in erster Linie darum, die Muskelmasse zu vermehren, sondern die Muskelkraft, was nicht gleichbedeutend sei.

Der Sportmediziner sprach sich für gut dosiertes Training aus, also gegen eine Übertreibung. Häufige kurze Trainingseinheiten seien besser als unregelmäßige längere. Eine Trainingseinheit in der Woche helfe gerade, die Muskelkraft zu erhalten, zweimal wöchentliches Training bringe schon eine leichte Verbesserung, optimal seien drei Trainingseinheiten pro Woche.

Bei aller wissenschaftlichen Erkenntnis dürfe aber eine Schwierigkeit nicht zu unterschätzen sein, sagte der Referent seinen Kolleginnen und Kollegen: untrainierte Patienten zu motivieren. Wer sich nie oder lange nicht sportlich betätigt habe und erst nach zehn Wochen oder erst nach drei Monaten bei sich selbst Erfolge bemerken könne, sei nur schwer zum Durchhalten zu bewegen. Wenn es aber gelinge, verbessere sich die Lebensqualität des Patienten deutlich.


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