
Um die fiebrige
Herzklappenentzündung
(Endokarditis) zu diagnostizieren, gibt es im Prinzip zwei Verfahren:
die
bildgebundene Untersuchung mit Ultraschall und die bakterielle
Untersuchung
mit einer Blutkultur.

Einen Einblick in die
Forschung
und Praxis eines medizinischen Großlabors gab Professor Dr.
Wolfgang
Heizmann vom Labor "wagner & partner" in Göttingen im Rahmen
eine
Fortbildungsveranstaltung für Ärzte im Mai in der
Kirchberg-Klinik.
Anzeichen für eine bakterielle Endokarditis seien für
Mediziner
oft schwer zu erkennen, da es keine eindeutigen Symptome gebe.
Herzgeräusche,
Schwächegefühl und Nachtschweiß sowie Gelenk- und
Muskelschmerzen
könnten aber schon auf eine solche relativ seltene Erkrankung
hinweisen.
Wenn Ärzte eine bakteriell verursachte Herzklappenentzündung vermuteten, könnten sie ein Labor mit einer bakteriellen Untersuchung des Blutes beauftragen. Hier wird dann versucht, aus dem Blut Kulturen von Bakterien zu züchten, um sie dann zu identifizieren. Wenn das Bakterium bestimmt worden ist, kann die medikamentöse Behandlung darauf besser eingestellt werden. In der Regel könne man die Antibiotika auf die Bakterien abstimmen, um sie zu beseitigen.
Um
Blutkulturen ansetzen zu können, ist die Art und Menge der
Blutabnahme
beim Patienten nicht ganz unwichtig, erklärte der Mikrobiologe. Er
riet den zuhörenden Ärztinnen und Ärzten, möglichst
dann das Blut zu entnehmen, wenn das Fieber noch steige. Auch sollte
der
Patient nicht gerade Antibiotika eingenommen haben, da sich sonst im
Labor
nur schwer Kulturen entwickeln könnten.
Des weiteren brauche das Labor das Blut von drei Abnahmen, die über den Tag verteilt werden wollten, jeweils 20 bis 30 Milliliter. Die benötigte Menge überraschte die Zuhörer, doch machte Heizmann klar, dass die Menge eine größere Trefferquote ermögliche.
Anhand von Beispielen
stellte
er zahlreiche Bakterien und Bakteriengruppen vor und charakterisierte
ihre
Wirkungsweise. Manche zungenbrecherischen Namen sorgten bei den
Zuhörern
für Erheiterung.

Ein wichtiger Punkt des
Vortrags betraf die Resistenz von Bakterien gegen bestimmte Medikamente
und Wirkungsstoffe. „Die Bakterien haben sich im Laufe der Evolution ja
auch viele Millionen von Jahren an ihre Umgebung angepaßt und
sind
sehr flexibel“, machte er das Problem deutlich. So werde die Forschung
nie zu einem Ende kommen können.
Bakterien leben überall, auch am und im Menschen, ebenso in Lebensmitteln. Selbst wer sich die Zähne putze, machte der Wissenschaftler klar, bringe eine Menge Bakterien in Aufruhr. In der Regel seien Erreger auch gar nicht so gefährlich für den Menschen, denn er verfüge über ein differenziertes Immunsystem. Durchbreche allerdings ein Erreger das Immunsystem, dann komme es zur Infektion. Deshalb stellte der Mikrobiologe klar: „Wichtig ist nicht, Erreger zu finden, sondern die Vegetation“, also eine Entzündung.
Wie bekommen nun einige Menschen eine bakterielle Infektion, die zu einer Entzündung einer der Herzklappen führt? Als wichtigste Ursachen nannte Heizmann eine umfangreiche Zahnbehandlung, Tierkontakte und bestimmte Lebensmittel.
Gerade weil die Zahnbehandlung in offenen Wunden in der Mundhöhle Bakterien einen schnellen Weg ins Blut gewähre, sei es richtig, dass die Zahnärzte gefährdeten Patienten vorsorglich Antibiotika verabreichten, um das Immunsystem zu unterstützen.
Ebenso seien Kratzer von Katzen sowie Hundebisse Einfalltore für Erreger, selbst der nicht so enge Kontakt mit Schafen könne im Einzelfall eine Gefahr darstellen. Und wer Hunde abküsse, setze sich einer Vielzahl von Erregern aus.
Als Beispiel von Bakterien in Lebensmitteln nannte der Mikrobiologe den Joghurt. Bei der Herstellung so genannter probiotischer Joghurts werde Milch gezielt bakteriell behandelt. Es sei weitgehend unbekannt, dass einige Menschen gegen solche Milchbakterien nicht immun seien.
Professor Heizmann
sprach
sich bei der Antibiotika-Therapie für einen Zeitraum von „nicht
unter
drei Wochen“ aus. Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Erreger
könne
eine Therapie in einigen Fällen schon nach einer Woche Erfolg
haben,
in anderen Fällen vielleicht sogar nach ein bis zwei Tagen. Je
länger
die Therapie aber dauere, desto höher sei die Chance, mehr
Erregertypen
erfolgreich zu bekämpfen. Andererseits gab er mit Blick auf die
Antibiotika
auch zu bedenken: „Substanz ist nicht gleich Substanz.“ Man müsse,
wie so oft, den Einzelfall betrachten. Doch sei die
Antibiotika-Therapie
„nicht beliebig zu verkürzen“.
Zurück zum Stichwortverzeichnis