Titel Herz-Club-Magazin

Mikrobiologe: Diagnose Herzklappenentzündung auch mit bakterieller Untersuchung

Von Karl Heinz Bleß

Um die fiebrige Herzklappenentzündung (Endokarditis) zu diagnostizieren, gibt es im Prinzip zwei Verfahren: die bildgebundene Untersuchung mit Ultraschall und die bakterielle Untersuchung mit einer Blutkultur.
Prof. Dr. Heizmann
Einen Einblick in die Forschung und Praxis eines medizinischen Großlabors gab Professor Dr. Wolfgang Heizmann vom Labor "wagner & partner" in Göttingen im Rahmen eine Fortbildungsveranstaltung für Ärzte im Mai in der Kirchberg-Klinik. Anzeichen für eine bakterielle Endokarditis seien für Mediziner oft schwer zu erkennen, da es keine eindeutigen Symptome gebe. Herzgeräusche, Schwächegefühl und Nachtschweiß sowie Gelenk- und Muskelschmerzen könnten aber schon auf eine solche relativ seltene Erkrankung hinweisen.

Wenn Ärzte eine bakteriell verursachte Herzklappenentzündung vermuteten, könnten sie ein Labor mit einer bakteriellen Untersuchung des Blutes beauftragen. Hier wird dann versucht, aus dem Blut Kulturen von Bakterien zu züchten, um sie dann zu identifizieren. Wenn das Bakterium bestimmt worden ist, kann die medikamentöse Behandlung darauf besser eingestellt werden. In der Regel könne man die Antibiotika auf die Bakterien abstimmen, um sie zu beseitigen.

Im Labor auf einer Blutplatte angezüchteter isolierter Keim Staphylococcus aureus. Typisch ist die gelbe Farbe der Bakterienkolonie.Um Blutkulturen ansetzen zu können, ist die Art und Menge der Blutabnahme beim Patienten nicht ganz unwichtig, erklärte der Mikrobiologe. Er riet den zuhörenden Ärztinnen und Ärzten, möglichst dann das Blut zu entnehmen, wenn das Fieber noch steige. Auch sollte der Patient nicht gerade Antibiotika eingenommen haben, da sich sonst im Labor nur schwer Kulturen entwickeln könnten.

Des weiteren brauche das Labor das Blut von drei Abnahmen, die über den Tag verteilt werden wollten, jeweils 20 bis 30 Milliliter. Die benötigte Menge überraschte die Zuhörer, doch machte Heizmann klar, dass die Menge eine größere Trefferquote ermögliche.

Anhand von Beispielen stellte er zahlreiche Bakterien und Bakteriengruppen vor und charakterisierte ihre Wirkungsweise. Manche zungenbrecherischen Namen sorgten bei den Zuhörern für Erheiterung.
„Vergrünende Streptokokken“, ebenfalls ein gefürchteter Erreger bei Endokarditis. Die Kolonien sind wesentlich kleiner und weisen einen grünen Hof im Medium auf.
Ein wichtiger Punkt des Vortrags betraf die Resistenz von Bakterien gegen bestimmte Medikamente und Wirkungsstoffe. „Die Bakterien haben sich im Laufe der Evolution ja auch viele Millionen von Jahren an ihre Umgebung angepaßt und sind sehr flexibel“, machte er das Problem deutlich. So werde die Forschung nie zu einem Ende kommen können.

Bakterien leben überall, auch am und im Menschen, ebenso in Lebensmitteln. Selbst wer sich die Zähne putze, machte der Wissenschaftler klar, bringe eine Menge Bakterien in Aufruhr. In der Regel seien Erreger auch gar nicht so gefährlich für den Menschen, denn er verfüge über ein differenziertes Immunsystem. Durchbreche allerdings ein Erreger das Immunsystem, dann komme es zur Infektion. Deshalb stellte der Mikrobiologe klar: „Wichtig ist nicht, Erreger zu finden, sondern die Vegetation“, also eine Entzündung.

Wie bekommen nun einige Menschen eine bakterielle Infektion, die zu einer Entzündung einer der Herzklappen führt? Als wichtigste Ursachen nannte Heizmann eine umfangreiche Zahnbehandlung, Tierkontakte und bestimmte Lebensmittel.

Gerade weil die Zahnbehandlung in offenen Wunden in der Mundhöhle Bakterien einen schnellen Weg ins Blut gewähre, sei es richtig, dass die Zahnärzte gefährdeten Patienten vorsorglich Antibiotika verabreichten, um das Immunsystem zu unterstützen.

Ebenso seien Kratzer von Katzen sowie Hundebisse Einfalltore für Erreger, selbst der nicht so enge Kontakt mit Schafen könne im Einzelfall eine Gefahr darstellen. Und wer Hunde abküsse, setze sich einer Vielzahl von Erregern aus.

Als Beispiel von Bakterien in Lebensmitteln nannte der Mikrobiologe den Joghurt. Bei der Herstellung so genannter probiotischer Joghurts werde Milch gezielt bakteriell behandelt. Es sei weitgehend unbekannt, dass einige Menschen gegen solche Milchbakterien nicht immun seien.

Professor Heizmann sprach sich bei der Antibiotika-Therapie für einen Zeitraum von „nicht unter drei Wochen“ aus. Bei der Vielzahl der unterschiedlichen Erreger könne eine Therapie in einigen Fällen schon nach einer Woche Erfolg haben, in anderen Fällen vielleicht sogar nach ein bis zwei Tagen. Je länger die Therapie aber dauere, desto höher sei die Chance, mehr Erregertypen erfolgreich zu bekämpfen. Andererseits gab er mit Blick auf die Antibiotika auch zu bedenken: „Substanz ist nicht gleich Substanz.“ Man müsse, wie so oft, den Einzelfall betrachten. Doch sei die Antibiotika-Therapie „nicht beliebig zu verkürzen“.
 

Zurück zur Themenübersicht

Zurück zum Stichwortverzeichnis