Wenn alles nichts hilft: Operation

Von Karl Heinz Bleß

Wenn alles nichts hilft und Bemühungen abzunehmen gescheitert sind, kann eine Operation angebracht sein. Über diese Möglichkeit referierte im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung Professor Dr. Reiner Kunz von St.-Josef-Krankenhaus in Berlin. Der Chefarzt hatte bisher die Erfahrung gemacht, dass alle seine Patienten über Essensgewohnheit und gesunde Ernährung gut informiert waren. Doch offenbar sei es bei manchen Menschen mit der guten Information nicht getan.

Professor Dr. Reiner Kunz         Foto: BleßSeit einigen Jahren gibt es die Möglichkeit der chirurgischen Therapie, führte der Redner aus. Bei aller Vorsicht und allen Vorbehalten gegen eine Operation solle man aber die soziale Funktion nicht vergessen. Denn viele Übergewichtige in Deutschland trauten sich nicht mehr auf die Straße. Auch deshalb seien viele arbeitslos oder hätten wegen ihres Gewichtes besondere Schwierigkeiten, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.

Bei einer Operation, die das Ziel der Gewichtsabnahme unterstützen soll, wird ein Kunststoffband um den Magenausgang gelegt. Dieses Band schränkt den Durchfluss ein. Die Folge ist, dass der so Operierte länger ein Sättigungsgefühl hat, weil das Gegessene länger im Magen bleibt. Bei der Operation wird ein Endoskop in die Bauchhöhle geführt. Über die Kamera, Beleuchtung und Werkzeuge, die über einen Schlauch eingeführt werden, beobachtet der Chirurg seine Arbeit am Bildschirm. Der Vorteil dieser Operation: Der Bauch muss nicht weit aufgeschnitten werden.

Anhand von Dias und einem Videofilm erläuterte der Chirurg seinen Kollegen in der Kirchberg-Klinik, wie sich die Technik der Operation mit neuen Erkenntnissen gewandelt hat. Auch wies er auf mögliche Komplikationen hin. Immerhin müssen sich fünf bis zehn Prozent der Operierten einem zweiten chirurgischen Eingriff unterziehen, weil es zu irgendwelchen Komplikationen gekommen ist.

Das Band um den Magenausgang darf nicht zu eng und nicht zu weit sein. Ist es zu eng, nimmt der Patient oder die Patientin zu stark ab. Das sei nicht das Ziel, so der Arzt, weil es dann zu viel lose Haut gebe, die am Körper herunter hänge, etwa am Bauch oder an den Armen. Andererseits dürfe das Band auch nicht zu weit sein, weil dann die Gefahr bestehe, dass der ganze Magen langsam durch die Schlinge rutsche.

Kunz stellte klar, dass eine solche rund 90 Minuten dauernde Operation nur bei Patienten infrage komme, die einen Body-Maß-Index von über 40 haben.

Der Berliner Chefarzt warnte davor, Patienten zu operieren, wenn die betreffende Krankenkasse keine Kostenübernahme zugesagt habe. Selbst wenn der Patient bereit sei, die Kosten selbst zu übernehmen, sollte man ihm davon abraten, denn die Kassen verweigerten konsequenterweise zunehmend, auch die Folgekosten zu tragen. Sollte eine zweite Operation nötig sein oder ein unerwartet langer Aufenthalt auf der Intensivstation, könne das manchen Patienten in den Ruin treiben. Das finanzielle Risiko sei einfach unkalkulierbar, gab er zu bedenken.

Näheres zum Body-Maß-Index

Zurück zur Themenübersicht