
| Die
Ross-Operation –
Eine Alternative zur mechanischen Herzklappe? Von Dr. Gabriele Möller Herzchirurgen haben im vergangenen Jahrzehnt weltweit die Ross-Operation als Alternative zur gängigen Herzklappen-Operation für die Aortenklappe wieder entdeckt. Donald Ross hatte 1967 zum ersten Mal eine Operation in dieser Form erfolgreich durchgeführt, bei der eine menschliche Spenderklappe verwendet wird. Da diese Operationsform aber sehr schwierig ist und die mechanischen und biologischen Klappen dagegen leichter zu operieren sind, wurde sie in den folgenden Jahren zunächst nicht weiter verfolgt. Herkömmliche Herzklappe Menschen mit einer defekten Herzklappe und begleitenden schwerwiegenden Symptomen wie Atemnot oder Herzschmerzen benötigen eine neue Herzklappe oder – falls noch möglich – eine Reparatur. Bisher hat man älteren Patienten über 70 Jahre eine biologische Klappe – zum Beispiel vom Schwein – implantiert und jungen Patienten eine mechanische Herzklappe, weil die biologischen Klappen nur zehn bis 15 Jahre halten und deshalb eine erneute Operation irgendwann unumgänglich wäre. Allerdings müssen diese Patienten dann lebenslang blutgerinnungshemmende Medikamente einnehmen, weil mechanische Klappen dazu neigen, die Blutgerinnselbildung anzuregen. Ein Blutgerinnsel an einer Herzklappe ist lebensgefährlich, da einerseits die Funktion der Klappe gestört wird, andererseits durch Verschleppung des Gerinnsels die Gefahr eines Schlaganfalls droht. Marcumar ist ein Medikament, das die Blutgerinnung stark unterdrückt, allerdings auch mit der Folge einer erhöhten Blutungsneigung. Deshalb dürfen Frauen mit Kinderwunsch kein Marcumar einnehmen. Für diese Patientinnen kam bisher nur die Implantation einer biologischen Herzklappe in Frage. Alternative Ross-Operation Hier stellt nun die Ross-Operation eine Alternative dar. Dabei wird zunächst die eigene defekte Herzklappe (Aortenklappe) entfernt (1). Zusätzlich wird nun die eigene Pulmonalklappe (Autograft), die die gleiche Form wie die Aortenklappe hat, aus ihrer Position in der Lungenschlagader am Ausgang des rechten Herzens herausgeschnitten (2) und in den Ausflusstrakt der Aorta am linken Herzausgang, wo vorher die defekte Aortenklappe saß, hineingenäht (3). An die Stelle, wo die Pulmonalklappe jetzt fehlt, wird eine Spenderklappe (Homograft) eingepflanzt (4). Weil Pulmonal- und Aortenklappe die gleiche Form haben, eignet sich diese Operationsform nur für eine defekte Aortenklappe. Warum so kompliziert? Warum aber dieser komplizierte Klappentausch? Die Pulmonalklappe ist hervorragend für das Hochdrucksystem des linken Herzens geeignet, denn der hohe Blutdruck stellt eine starke Beanspruchung für die Aortenklappe dar. Der Autograft kann diese Belastung ohne Funktionsverlust standhalten. Außerdem kann der Autograft bei Kindern mit wachsen. Eine Spenderklappe besitzt diese Eigenschaften nicht und ist deshalb besser für die Position der Lungenschlagader (Niederdrucksystem) geeignet. Hier kann bei Kindern (sogar) eine Erwachsenenklappe eingepflanzt werden. Aus diesem Grund profitieren Kinder besonders von dieser Operation. Kein Marcumar notwendig Ein weiterer Vorteil dieser Operation ist, dass eine Marcumarisierung zur Blutverdünnung nicht erforderlich ist und die eigene Herzklappe und auch die Spenderklappe deutlich länger hält als eine biologische Herzklappe vom Schwein. Die Patienten sind in ihrer Lebensqualität nicht eingeschränkt und können unproblematischer beruflich wieder eingegliedert werden. Auch gegen einen Kinderwunsch spricht nichts. Leider kann nicht jeder kranke Herzklappenpatient in den Genuss dieser Operation kommen, weil die Operation sehr komplex ist und nicht jedes Herzzentrum in der Lage ist, sie durchzuführen. Außerdem gibt es nicht genügend Spenderklappen. Im Übrigen darf die eigene Klappe (Autograft), die nun in Aortenposition sitzt, nicht selbst einen Defekt aufweisen, sodass oft erst während der Operation endgültig entschieden werden kann, ob diese Operationsform möglich ist. Nur für die Aortenklappe Wichtig ist, dass
sich diese
Form der Operation nur für die defekte Aortenklappe eignet. Die
anderen
drei Klappen (Mitral-, Tricuspidal- oder Pulmonalklappe) müssen
auch
weiterhin noch auf die bewährte Form des Klappenersatzes oder aber
der Reparation (Mitralklappenrekonstruktion) operiert werden. So muss
auch
in Zukunft mit jedem Patienten individuell abgesprochen werden, welche
Form der Herzklappenoperation für ihn in Frage kommt.
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