
Die
sexuelle Aktivität ist neben Essen und Trinken, Urlaubsreisen, geselligem
Beisammensein ein wesentlicher Bestandteil der Lebensqualität.
Dies betrifft nicht nur junge Leute, es ist auch bei vielen älteren
Menschen für das allgemeine Wohlbefinden von Bedeutung. Eine Herz-Kreislauf-Erkrankung
muss da kein Hindernis sein. Traditionell spricht man aber eher über
seine Ess- und Trinkgewohnheiten oder über die letzte Urlaubsreise,
als über seine sexuellen Erlebnisse, Gewohnheiten und Probleme.
Selbst im Gespräch zwischen Arzt und Patient wird dieses Thema oft ausgeklammert, obwohl es bei vielen Erkrankungen durchaus von Bedeutung ist. Viele Betroffene scheuen sich, ihren Arzt auf dieses Thema anzusprechen, und viele Mediziner fühlen sich selbst unsicher, wie sie den Gesprächseinstieg und die richtige Wortwahl finden sollen.
Und die Frage, wie hoch das Risiko der sexuellen Aktivität bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist, war bis vor kurzem nicht sicher zu beantworten. Aus diesem Grund hat sich in England ein Expertengremium zusammen gefunden, um dieser Frage nachzugehen.
Grundsätzlich: Erektionsstörungen (das männliche Glied bleibt schlaff) sind eine häufige, mit dem Alter zunehmende Beeinträchtigung. Bei Männern mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommen sie noch häufiger vor als in der Allgemeinbevölkerung:
Welche
Rolle spielen psychologische Faktoren?
Psychologische Faktoren
tragen häufig zu Erektionsstörungen bei, auch wenn sie nicht
immer die Hauptursache sind. Gerade nach einem Herzinfarkt oder einer Bypass-Operation
kann die Angst des Patienten oder seiner Partnerin, dass Geschlechtsverkehr
einen neuen Herzinfarkt auslösen könnte, ein Hauptgrund für
Erektionsstörungen sein. Hier kann ein aufklärendes Gespräch
über das tatsächliche Risiko von Geschlechtsverkehr und anderen
körperlichen Aktivitäten helfen.
Welche Rolle spielen Medikamente?
Eine Reihe von Medikamenten
können dafür verantwortlich sein, dass es mit dem Sex nicht so
richtig klappt, insbesondere Blutdruckmedikamente wie Betablocker (5 -
43 Prozent) oder entwässernde Medikamente (4 - 32 Prozent). Es gibt
kaum wissenschaftliche Belege dafür, dass ein Wechsel von Medikamenten
eine Erektionsstörung tatsächlich bessert. Eine Umstellung ist
sinnvoll, wenn ein enger zeitlicher Zusammenhang zwischen Beginn der Medikation
und den Erektionsstörungen besteht.
Wie
anstrengend ist Sex?
Geschlechtsverkehr ist für
das Herz nicht belastender als eine Reihe anderer alltäglicher Aktivitäten,
wie das Heben und Tragen von Gegenständen (9 - 20 kg), Heimwerken,
Hausarbeiten oder Golf spielen. Bei einem Belastungs-EKG entspräche
das etwa 75 Watt.
Besteht das Risiko, durch
Geschlechtsverkehr einen Herzinfarkt zu erleiden?
Das Risiko, einen Herzinfarkt
zu erleiden, ist bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung in den ersten
zwei Stunden nach Geschlechtsverkehr um etwa das Dreifache höher als
bei Herzgesunden und beträgt damit 30 : 1.000.000. Insgesamt gesehen
bleibt dieses Risiko gering. Es muss hierbei jedoch die Ausprägung
der Herzerkrankung berücksichtigt werden. Unterschieden werden drei
Risikogruppen:
Behandlung der Erektionsstörung
bei Herz-Kreislauf-Patienten
Alle gängigen Möglichkeiten
der Behandlung von Erektionsstörungen können prinzipiell auch
bei Herz-Kreislauf-Patienten angewendet werden. Zu diesen Behandlungsmöglichkeiten
gehören Tabletten (Viagra®),
die Selbstinjektion (Spritze) der gefäßaktiven Substanz Prostaglandin
E1 in den Schwellkörper, die Anwendung von gefäßaktiver
Substanz durch die Harnröhre sowie Vakuumpumpen. Die Anwendung dieser
Methoden erhöht nicht das Herz-Kreislauf-Risiko, wenn sie korrekt
eingesetzt werden. Außer bei den Tabletten ist zu beachten, dass
deren Anwendung bei gleichzeitiger blutgerinnungshemmender Behandlung mit
Marcumar ein erhöhtes Blutungsrisiko birgt. Viagra® darf nicht
angewendet werden, wenn gleichzeitig Nitrate oder ähnlich wirkende
Medikamente eingenommen werden. Hiervon sind mehr als 90 unterschiedliche
Präparate in Deutschland zugelassen. Die bekanntesten Namen sind Isoket®,
Ismo®, Corangin®, Nitrolingual® und Mono Mack®.
Tipp:
Befragen Sie wegen der unüberschaubaren Menge hierzu unbedingt Ihren
behandelnden Arzt. Die Einschränkungen betreffen neben Nitrosprays
und Tabletten übrigens auch die Nitropflaster. Wer diese Einschränkung
missachtet, riskiert lebensbedrohliche Blutdruckabfälle. Kurz nach
der Einnahme von Viagra darf deshalb im Falle von Angina-pectoris-Beschwerden
auch kein Nitrospray genommen werden. Viagra® kann bei Patienten mit
Herzkranzgefäß-Erkrankung in etwa 70 Prozent der Fälle
die Erektionsfähigkeit verbessern.