Beschichtete Stents haben nicht nur Vorteile

In den USA ist man mit der Verwendung deutlich zurückhaltender geworden

Beschichtete Stents, auch Medikamente freisetzende Stents oder DES (englisch: drug eluting stents) genannt, wurden in den letzten Jahren zunehmend bei der Aufdehnung von Verengungen oder Verschlüssen der Kranzadern des Herzens eingesetzt. Bei ihnen ist das Metallgeflecht, das die behandelte Kranzader von innen stützt und offen hält, mit einer Beschichtung überzogen, die Wachstum hemmende Medikamente freisetzt. Dadurch wird verhindert, dass es während der ersten Wochen der Einheilung zu Wucherungen der Gefäßinnenhaut im Stent kommt, die den Blutdurchfluss wieder behindern.

Wirkungsweise StentsWas für die meisten Patienten ein Nutzen ist, kann aber für einzelne auch zur Gefahr werden. Denn verhindert werden nicht nur Wucherungen. Es dauert auch viel länger bis der Stent in die Gefäßwand eingewachsen und mit körpereigenen Zellen bedeckt ist. In dieser Zeit kommt das Metall des Stents noch mit dem Blut in der Ader in Berührung, wodurch das Blutgerinnungssystem aktiviert wird. Nur durch eine Kombination von 2 Gerinnungshemmern mit den Wirkstoffen Azetylsalicylsäure (z.B. Aspirin®) und Clopidogrel (z.B. Iscover® oder Plavix®) kann während dieser Zeit verhindert werden, dass sich der Stent durch Blutgerinnung sofort verschließt. Diese gefährliche Zeit der Einheilung dauert bei normalen Stents vier Wochen, bei  Medikamente freisetzenden Stents dagegen drei bis sechs  Monate.

Jetzt ist bekannt geworden, dass bei den Medikamente freisetzenden Stents auch später noch eine kleine Zahl von Verschlüssen aufgetreten ist, mit der Folge von zum Teil schweren und auch tödlichen Herzinfarkten.

Allen Trägern von Medikamenten freisetzenden Stents wird deshalb geraten, die Kombination der zwei Gerinnungshemmer (siehe oben) ohne Unterbrechung ein ganzes Jahr lang einzunehmen.

Weil durch die Gerinnungshemmer bei Operationen ein Blutungsrisiko besteht, sollten planbare Operationen so lange aufgeschoben werden, bis das Jahr vorüber ist. Bei dringenden Operationen muss eine Abstimmung zwischen dem Chirurgen und dem Kardiologen erfolgen, meistens wird man sich auf eine kurze Pause der Tabletten-Kombination und auf eine Überbrückung mit Heparinspritzen zur Gerinnungshemmung einigen. 

Wegen dieser Probleme ist man mit dem Einsatz der beschichteten Stents in Amerika deutlich zurückhaltender geworden. Bei uns in Deutschland bestand von Anfang an eine gewisse Skepsis, so dass man hier in jedem Fall nur Medikamente freisetzende Stents verwendet hat, wenn ein eindeutiger Nutzen für den Patienten vorhersehbar war. Deutscher Gründlichkeit sei Dank.


zurück zum Themenverzeichnis

zurück zum Stichwortverzeichnis