Wenn das Herz aus dem Takt gerät
Serie zu den Herzrhythmusstörungen – Teil 2: die Extraschläge

Rhythmusstörungen können sich als Herzstolpern, Aussetzen des Pulses, Herzrasen, oder – im schlimmsten Fall – durch plötzliche Bewusstlosigkeit bemerkbar machen. Manchmal merkt man sie auch gar nicht und sie werden zufällig im EKG entdeckt. Ursache von völlig unregelmäßigem Puls ist meistens Vorhofflimmern. Ursache von Herzstolpern und Aussetzern bei sonst normalem Puls sind meistens Extraschläge, so genannte Extrasystolen, um die es im zweiten Teil der Serie Herzrhythmusstörungen geht.

EKG, verschiedene KurvenExtraschläge (Extrasystolen)

Extraschläge sind Herzschläge, die vorzeitig vor dem regulären nächsten Herzschlag auftreten. Ursache ist quasi eine Übererregbarkeit des Herzens. Meistens fällt nach dem Extraschlag ein Herzschlag aus, so dass das Herz wieder in den ursprünglichen Takt zurück findet. Als Betroffener spüren Sie oft nur diese Pause nach dem Extraschlag als Aussetzer, der Extraschlag selbst bleibt oft unbemerkt. Jeder Mensch hat gelegentlich Extraschläge, für Gesunde sind sie harmlos, solange sie nicht zu häufig auftreten.

Harmlos oder gefährlich?

Im EKG lässt sich unterscheiden, ob Extraschläge in den Vorhöfen oder in den Hauptkammern entstehen. Extraschläge aus den Vorhöfen sind fast immer harmlos, solche aus den Hauptkammern können unter bestimmten Umständen gefährlich werden. Gefährlich sind sie vor allem,

  • wenn sie bei ohnehin schon Herzkranken auftreten,
  • wenn sie sehr häufig sind und
  • wenn mehrere Extraschläge ohne Unterbrechung hintereinander kommen.

Das bezeichnet man auch als „Salve“ – wie bei einer Gewehrsalve, wenn viele Schüsse schnell nacheinander abgefeuert werden. Es besteht dann die Gefahr, dass so eine Salve nicht mehr von alleine aufhört – das Herz rast dann wie ein Maschinengewehr, der Puls klettert auf 160 oder 180 Schläge pro Minute.
Hauptkammer-Arrhythmien mit Salven oder anhaltendem Herzrasen sind fast immer gefährlich, denn sie können Vorboten des lebensbedrohlichen Herzkammerflimmerns sein, das im Fachjargon auch einfach „Kammerflimmern“ genannt wird.

Notfall Kammerflimmern

Kammerflimmern ist die häufigste Ursache für einen Herzstillstand, unbehandelt führt es innerhalb weniger Minuten zum Tode. Beim Kammerflimmern versagt die elektrische Steuerung der Herztätigkeit, das Herz zieht sich nicht mehr geregelt zusammen, sondern flimmert unkoordiniert, die Pumpfunktion kommt völlig zum Erliegen. Einzige Möglichkeit, ein Kammerflimmern zu beenden, ist die Abgabe eines starken Stromstoßes an das Herz durch einen Defibrillator – sei es von außen im Rahmen von Wiederbelebungsmaßnahmen oder von innen durch ein implantiertes Schrittmacher-ähnliches Gerät.

Behandlung

Seltene Extraschläge bedürfen keiner Behandlung durch Medikamente. Man sollte auf eine ausreichende Zufuhr der Blutsalze Kalium und Magnesium achten, zum Beispiel durch täglichen Verzehr von Obst oder Fruchtsäften. Stress und übermäßigen Genuss von Bohnenkaffee sollte man dagegen vermeiden. Bei häufigen Extraschlägen wird meistens ein Beta-Blocker verordnet, ein Medikament, das den Puls verlangsamt, die Häufigkeit von Extraschlägen verringert und die Gefahr vermindert, dass harmlose Rhythmusstörungen in gefährliche übergehen. Stärkere Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen (so genannte Antiarrhythmika) werden heute nur noch selten gegen Extraschläge eingesetzt, weil dabei das Risiko von Nebenwirkungen größer als der Nutzen sein kann.

Bei schweren Herzrhythmusstörungen, die in das gefährliche Kammerflimmern übergehen können, entscheidet man sich heute meistens für die Einpflanzung (Implantation) eines automatischen Defibrillators. Über die Wirkungsweise dieses schrittmacher-ähnlichen Gerätes haben wir im Herz-Club-Magazin 1/2004 bereits ausführlich berichtet.

Jeder Patient, der Herzrhythmusstörungen hat, sollte sorgfältig kardiologisch untersucht werden. Danach kann eine Empfehlung gegeben werden, ob und gegebenenfalls auch wie eine Behandlung erfolgen soll. In den meisten Fällen können Menschen mit Herzrhythmusstörungen ein ganz normales Leben führen.

Teil 3 unserer Serie Herzrhythmusstörungen: „Herzblock“  (geplant)


Teil 1: Herzrhythmusstörungen – Vorhofflimmern

Teil 3: Herzrhythmusstörungen – Wenn das Herz stockt


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