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Vitamine
und Mineralien –
Beim 10. Lauterberger Patiententreffen für Marcumaranwender drehte sich im September 2004 alles um die Besonderheiten der Ernährung unter Marcumartherapie. Das gerinnungshemmende Medikament, dessen Wirkung auf der Blockierung des Vitamin K beruht, wird seit den 70er Jahren bei Herzerkrankten eingesetzt. Wegen seines vitaminabhängigen Wirkprinzips muss der Ernährung besondere Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden. Auch die Frage, ob „Functional Food“ hilfreich ist, wurde in einem eigenen Vortrag besprochen. „Functional Food“ – Was versteht man darunter?
Antioxidantien werden als ACE-Getränke oder ACE-Tiefkühlgemüse angeboten und enthalten Zusätze von synthetischen Vitaminen A, C und E. Die Vitamine A und E können jedoch gerade in den meist wohlschmeckenden Getränken schon nach zwei bis drei Gläsern überdosiert werden. Wildkräuter, purer Johannisbeersaft oder roter Traubensaft sind ergiebige Quellen dieser Vitamine, ohne Überdosierungsgefahr. Die Omega-3-Fettsäuren aus
fetthaltigen Seefischen werden Brot oder Milchprodukten zugesetzt oder
als Kapseln angeboten. Sie können das Cholesterin etwas senken,
haben günstige Effekte auf entzündliche Prozesse und
dämpfen eine erhöhte Gerinnungsneigung (Thrombosegefahr). Sie
sind als Reinsubstanz allerdings sehr empfindlich gegenüber
Oxidation, so dass diese Fettsäuren besser in ein bis zwei
Fischmahlzeiten in ihrer „natürlichen Umgebung“ wirken
können. Pflanzensterine aus Nüssen oder
Sonnenblumenkernen reduzieren die Cholesterinaufnahme im Darm und
helfen erhöhte LDL-Cholesterinspiegel zu senken, hier können
die speziellen Margarinesorten Vorteile haben. Solche Vitaminmischungen sind bei gemischter Kost mit „5-mal Obst und Gemüse am Tag“ überflüssig. Auch werden die Vitamine aus Obst und Gemüse von den begleitenden Pflanzenstoffen in ihren Wirkungen unterstützt und verstärkt. Die
Bedeutung der Mineralien Mineralstoffe sind für das
Überleben eines Organismus unverzichtbar und werden über
aktive Stoffwechselwege im Gleichgewicht gehalten. Für die
Funktion der Muskulatur – und dazu zählt auch der Herzmuskel –
spielen dabei Kalium, Natrium, Calcium und Magnesium eine besonders
große Rolle. Natrium wird in Form von Kochsalz
praktisch immer ausreichend zugeführt. Calcium wird in den Knochen
in großer Menge gespeichert, bei Bedarf wird es aus den Knochen
herausgelöst, so dass für die Funktion des Herzmuskels immer
genug zur Verfügung steht. Ein Mangel macht sich daher nicht durch
Herz-, sondern durch Skelettprobleme bemerkbar. Für den
Herzpatienten spielen vor allem Kalium und Magnesium die entscheidende
Rolle, weil hier ein Ungleichgewicht – also ein Mangel oder auch ein
Überschuss – Herzrhythmusstörungen auslösen kann. Zu
einem Ungleichgewicht kommt es, wenn Zufuhr und Ausscheidung der
Mineralien nicht mehr im Gleichgewicht sind. Vor allem eine
Änderung der Mineralstoff-Ausscheidung mit dem Urin bei Einnahme
von Wassertabletten kann den Mineralhaushalt aus dem Gleichgewicht
bringen.
Auch die Vitamine als
lebensnotwendige Substanzen haben für Patienten unter
gerinnungshemmender Therapie eine große Bedeutung. Die Vitamine
wurden um das Jahr 1900 entdeckt und bis Mitte des 20. Jahrhunderts in
ihren Wirkungen weitgehend aufgeklärt. Inzwischen können alle
Vitamine auf chemischem Weg synthetisiert werden. Neben einer
Bezeichnung mit Großbuchstaben (A bis K) hat man Untergruppen (B1
bis B12) beschrieben und allen Vitaminen auch chemische Namen (zum
Beispiel Folsäure) gegeben, das führt gelegentlich zu
Verwirrungen. Für die Marcumaranwender steht das Vitamin K ganz im Mittelpunkt: es ist Bestandteil der Synthese wichtiger Gerinnungsstoffe. Diese Vitaminwirkung wird durch Marcumar dosisabhängig blockiert. Weitere Aufgaben hat das Vitamin bei der Knochenbildung und einigen Stoffwechselvorgängen in den Nieren, so dass eine ausreichende und möglichst gleichmäßige Zufuhr des Vitamins erforderlich ist. Bis zu 40 Prozent des Tagesbedarfes stellen bei gesunden Menschen allerdings die Darmbakterien her, der Rest wird überwiegend aus pflanzlichen Nahrungsmitteln aufgenommen, dabei sind grüne Gemüse (auch Sauerkraut) und Innereien die Hauptquellen. Vitamin K ist hitzestabil und kann ohne Verluste Sauerstoff ausgesetzt werden, unter Lichteinfluss zerfällt es allerdings recht schnell. Weil die Marcumartherapie auch die
Vitamin-K-Wirkungen am Knochenaufbau etwas stört, ist eine gute
Versorgung des Marcumaranwenders mit einem ebenfalls für die
Knochen wichtigen Vitamins wichtig, nämlich Vitamin D. Es ist
verantwortlich für den Einbau von Calcium in das
Knochengerüst. Ein Mangel des Vitamins kann zu Rachitis als
Aufbaustörung oder zu Osteomalazie und Osteoporose als
beschleunigter Knochenabbau führen.
Unsere klare Botschaft am Ende der
Überlegungen: Eine ausgewogene Mischkost mit hohem Gemüse-
und Obstanteil macht Vitamin- und Mineralstoffpräparate unter
normalen Bedingungen nahezu immer überflüssig. Nur
probiotische Milchprodukte und spezielle Speisefettsorten können
manchmal sinnvoll sein.
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