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28 Jahre Sonntagsschule
und Kinderstunde Borssum

„Onkel Karl“ wird 80 – Er prägte mindestens eine Borssumer Generation mit

Teil 4

Das Sackhüpfen war bei jedem Ausflug ein RennerIn jedem Jahr gab es zwei große Höhepunkte in der Sonntagsschule und der späteren Kinderstunde. Im Sommer war es der Ausflug mit dem Bus (in der Regel zwei Busse oder anfangs ein Bus mit Personen-Anhänger), zu dem auch die Eltern eingeladen waren. Da der 17. Juni ein allgemeiner Feiertag war, lag dieses Datum oft nahe. Und meistens war das Ziel Tunxdorf im Hümmling, aber auch der Tierpark in Logabirum, den man „Onkel Heini“ nannte, oder die Thülsfelder Talsperre bei Friesoythe. Da konnte man den ganzen Tag miteinander spielen. Natürlich gab es auch vorbereitete Wettkämpfe vom Sackhüpfen über das Eierlaufen bis zu anderen kreativen „Spielen ohne Grenzen“. Und alle machten mit, gab es doch auch irgendeine Kleinigkeit zu gewinnen. Die Bedeutung des Ausflugs wird erst deutlich, wenn man bedenkt, dass er für viele Familien damals der einzige Urlaub im Jahr war.

Weihnachten 1973Der andere Höhepunkt im Jahr war Weihnachten. Es hatte sich schnell herumgesprochen, dass es zu Weihnachten immer eine große Feier gab, bei der jedes Kind ein Geschenk bekam. Deshalb waren die Kinderzahlen im November und Dezember besonders hoch. Zur großen Weihnachtsfeier im Flur der Schule, zu der auch die Eltern und Verwandten eingeladen waren, lernten die Kinder Gedichte auswendig, spielten Musikstücke und natürlich ein Krippenspiel. Es war für die Kinder alles andere als eine Pflicht, etwas auswendig zu lernen. Sie rissen sich förmlich darum. Da war es eine verantwortungsvolle Aufgabe der Helferinnen und Helfer zu erkennen, was und wie viel man einem Kind zumuten konnte. Denn das Kind sollte ja ein Erfolgserlebnis haben.

Weihnachten 1973Bezeichnend war eine Begebenheit, die Onkel Karl heute noch erzählt: Ein Junge, dem man das Lernen wenig zugetraut hatte, bestand darauf, auch ein Gedicht aufsagen zu dürfen. Doch alle Rollen waren schon verteilt. Da versprach „Tante Gerda“, eine der langjährigen Helferinnen, bis zum nächsten Sonnabend eins herausgesucht zu haben. „Aber nicht so ein kleines“, gab er ihr noch mit auf den Weg. Und er lernte es mit großem Fleiß. Die Weihnachtsfeier war dann sein großer Auftritt. Allein stand er auf der Treppe, die als Bühne diente, und sagte sein langes Gedicht auf. Selbst ein Lehrer, den der Junge selbst eingeladen hatte, staunte nicht schlecht und fragte hinterher: „Wie haben Sie den Jungen dazu gebracht, soviel auswendig zu lernen?“

1976, als die Zahl der Kinder in Borssum rund um die Schule geringer wurde, ging die Zeit der Kinderstunde in Borssum für Onkel Karl zu Ende. Nach 28 Jahren wollte er sich nun anderen Aufgaben zuwenden. Zwar gab es noch Versuche, die Kinderstunde weiterzuführen, aber die Identifikationsfigur, eben Onkel Karl, war nicht mehr da. Tante Gerda hatte schon vorher mit der aktiven Arbeit aufgehört, als ihre erste Tochter geboren wurde. Aber für das Weihnachtsprogramm sorgte sie bis zuletzt.

Da er beruflich bei der Stadt Emden im Außendienst auch oft mit dem Fahrrad nach Borssum kam, traf Karl Bleß auch Jahre später noch Erwachsene, die „Hallo, Onkel Karl“ über die Straße riefen. Wenn es irgendwie möglich war, hielt er an und fragte nach, was aus „seinen Sonntagsschulkindern“ geworden war. Noch heute passiert es, wenn er bestimmte Namen in der Zeitung liest, dass er spontan sagt: „Auch ein Kind aus der Kinderstunde.“

Inzwischen ist Onkel Karl 80 Jahre alt, wohnt im Herrentorviertel und reist gerne. Gerade ist er mit seiner Frau Hanna aus Kroatien zurückgekommen, wohin beide oft im Spätsommer für einige Wochen mit ihrem Wohnwagengespann fahren und die Mittelmeersonne genießen.

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(c) Für diese Internetseiten verantwortlich ist Karl Heinz Bleß, www.bless-online.de