28 Jahre
Sonntagsschule
und Kinderstunde
Borssum
„Onkel Karl“ wird 80 – Er prägte
mindestens eine
Borssumer Generation mit
Teil 4
In
jedem Jahr gab es zwei große
Höhepunkte in der
Sonntagsschule und der späteren Kinderstunde. Im Sommer war es der
Ausflug mit
dem Bus (in der Regel zwei Busse oder anfangs ein Bus mit
Personen-Anhänger),
zu dem auch die Eltern eingeladen waren. Da der 17. Juni ein
allgemeiner Feiertag
war, lag dieses Datum oft nahe. Und meistens war das Ziel Tunxdorf im
Hümmling,
aber auch der Tierpark in Logabirum, den man „Onkel Heini“ nannte, oder
die
Thülsfelder Talsperre bei Friesoythe. Da konnte man den ganzen Tag
miteinander
spielen. Natürlich gab es auch vorbereitete Wettkämpfe vom
Sackhüpfen über das
Eierlaufen bis zu anderen kreativen „Spielen ohne Grenzen“. Und alle
machten
mit, gab es doch auch irgendeine Kleinigkeit zu gewinnen. Die Bedeutung
des
Ausflugs wird erst deutlich, wenn man bedenkt, dass er für viele
Familien
damals der einzige Urlaub im Jahr war.
Der andere Höhepunkt im Jahr war
Weihnachten. Es hatte sich
schnell herumgesprochen, dass es zu Weihnachten immer eine große
Feier gab, bei
der jedes Kind ein Geschenk bekam. Deshalb waren die Kinderzahlen im
November
und Dezember besonders hoch. Zur großen Weihnachtsfeier im Flur
der Schule, zu
der auch die Eltern und Verwandten eingeladen waren, lernten die Kinder
Gedichte auswendig, spielten Musikstücke und natürlich ein
Krippenspiel. Es war
für die Kinder alles andere als eine Pflicht, etwas auswendig zu
lernen. Sie
rissen sich förmlich darum. Da war es eine verantwortungsvolle
Aufgabe der
Helferinnen und Helfer zu erkennen, was und wie viel man einem Kind
zumuten
konnte. Denn das Kind sollte ja ein Erfolgserlebnis haben.
Bezeichnend
war eine Begebenheit, die
Onkel Karl heute noch
erzählt: Ein Junge, dem man das Lernen wenig zugetraut hatte,
bestand darauf,
auch ein Gedicht aufsagen zu dürfen. Doch alle Rollen waren schon
verteilt. Da
versprach „Tante Gerda“, eine der langjährigen Helferinnen, bis
zum nächsten
Sonnabend eins herausgesucht zu haben. „Aber nicht so ein kleines“, gab
er ihr
noch mit auf den Weg. Und er lernte es mit großem Fleiß.
Die Weihnachtsfeier
war dann sein großer Auftritt. Allein stand er auf der Treppe,
die als Bühne
diente, und sagte sein langes Gedicht auf. Selbst ein Lehrer, den der
Junge selbst
eingeladen hatte, staunte nicht schlecht und fragte hinterher: „Wie
haben Sie
den Jungen dazu gebracht, soviel auswendig zu lernen?“
1976, als die Zahl der Kinder in
Borssum rund um die Schule
geringer wurde, ging die Zeit der Kinderstunde in Borssum für
Onkel Karl zu
Ende. Nach 28 Jahren wollte er sich nun anderen Aufgaben zuwenden. Zwar
gab es
noch Versuche, die Kinderstunde weiterzuführen, aber die
Identifikationsfigur,
eben Onkel Karl, war nicht mehr da. Tante Gerda hatte schon vorher mit
der
aktiven Arbeit aufgehört, als ihre erste Tochter geboren wurde.
Aber für das
Weihnachtsprogramm sorgte sie bis zuletzt.
Da er beruflich bei der Stadt Emden
im Außendienst auch oft
mit dem Fahrrad nach Borssum kam, traf Karl Bleß auch Jahre
später noch
Erwachsene, die „Hallo, Onkel Karl“ über die Straße riefen.
Wenn es irgendwie
möglich war, hielt er an und fragte nach, was aus „seinen
Sonntagsschulkindern“
geworden war. Noch heute passiert es, wenn er bestimmte Namen in der
Zeitung
liest, dass er spontan sagt: „Auch ein Kind aus der Kinderstunde.“
Inzwischen ist Onkel Karl 80 Jahre
alt, wohnt im
Herrentorviertel und reist gerne. Gerade ist er mit seiner Frau Hanna
aus
Kroatien zurückgekommen, wohin beide oft im Spätsommer
für einige Wochen mit
ihrem Wohnwagengespann fahren und die Mittelmeersonne genießen.
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(c)
Für diese Internetseiten verantwortlich ist Karl Heinz Bleß,
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